Was genau machen Pferde mit uns?

Physisch

Auf dem Pferd hat jeder Mensch vier gesunde Beine – Gottfried von Dietze

Der Rhytmus des Pferdes, sein Takt durch seine vier Hufe, ist in der Reittherapie und dem heilpädagogischen Reiten und Voltigieren ein wesentlicher Impulsgeber. Der menschliche Gang ist immernoch ein Viertakt und findet – wie bei Pferden – in acht Phasen statt. Das liegt daran, dass wir Menschen uns, bis vor 13 Millionen Jahren, ebenfalls auf allen vieren fortbewegten. Erst später haben sich Mensch und Pferd getrennt von einander weiterentwickelt. Allerdings gehen wir noch heute in der Schulterbewegung mit, als ob wir immernoch vier Beine hätten.

Doch diesen Takt, der im Schritt des Pferdes ist, erkennt das menschliche Gehirn aufgrund seiner Entwicklungsgeschichte als eigenes Gangbild wieder. Das Gehirn eines Menschen – beispielsweise mit Spastiken –  kann beim Bewegungslernen ein mentales Idealbild aufbauen. Dadurch ist das menschliche Gehirn in der Lage, Muskeln entspannen zu lassen oder zu benutzen, die das Gehirn von alleine nicht gefunden hat. Das menschliche Gehirn kann den Gang des Pferdes als vorbildlichen Gang für sich selbst verarbeiten. Dies geschieht unbewusst.

Diesen Effekt hat man nicht nur bei Menschen mit Spastiken, sondern beispielsweise auch bei Kindern, die in ihrer Entwicklung nie gekrabbelt sind. Beim Krabbeln wird der Mensch zu einem im Schritt gehenden Pferd und aus dem Krabbeln richten wir Menschen uns auf.

Weitere positive Effekte der dreidimensionalen Bewegung eines Pferdes, ist die Schulung der Fein- und Grobmotorik, die Stärkung der menschlichen Koordination und des Gleichgewichts.

Pferde senken den Blutdruck, bauen Stress ab, mildern Depressionen. Mit ihnen tun wir Gutes für unser komplettes Herz-Kreislaufsystem, trainieren nicht nur unserere Bauch- und Rückenmuskulatur, sondern auch unser Immunsystem – beugen sogar Allergien vor – weil wir draußen sind und frische Luft atmen

Psychisch

Pferde zeigen ganz unmittelbar, wie es uns geht und gehen entsprechend mit uns und der Situation um. Manchmal ist es auch für Außenstehende keine große Kunst, das zu deuten. Wie ein Spiegel reflektieren Pferde unser Verhalten und werfen es eins zu eins zurück – manchmal auch „spiegelverkehrt“. Beispielsweise wird oft ein ängstlicher oder aber ein kranker Mensch von einem erfahrenen Pferd „beschützt“. Sie behandeln uns dann wie ein rohes Ei.

Andererseits versuchen Pferde einem Menschen aus dem Weg zu gehen, sich selbst in Sicherheit zu bringen, wenn dieser Mensch nach außen ein Bild darstellen möchte, dass inkongruent zu seiner inneren Verfassung ist. Fühlt sich ein Mensch innerlich beispielsweise unsicher oder aggressiv, möchte aber nach außen selbstsicher, stolz oder liebevoll wirken, nimmt das Pferd ausschließlich die innere Haltung des Menschen wahr. Als Flucht- und Beuttetier wird sich das Pferd der für ihn unsicheren und gefährlichen Situation entziehen wollen. Das Pferd riecht und spürt die innere unsicherheit des Menschen, aufgrund der unbewussten, noch so kleinen Körpersprache des Menschen und dessen Gerüche, die er während dieses „inneren Kampfes“ ausstößt. Ein Pferd tut nichts ohne Grund.

Pferde stärken unser Selbstwertgefühl und unsere Beziehungsfähigkeit, steigern unsere Konzentrationsfähigkeit ebenso wie unsere Orientierung, Wahrnehmung und Selbsteinschätzung. Unsere Konfliktfähigkeit und Kooperation wachsen ebenso wie unser Verantwortungsgefühl und die Integrations- und Teamfähigkeit. Zudem trainieren Pferde unsere verbale- und nonverbale Kommunikation. Der Abbau von Ängsten im Umgang mit einem fremden, großen Wesen und die Förderung  von Felxibilität und Frustrationstoleranz sind ebenfalls – genau wie alle anderen genannten Faktoren –  wissenschaftlich bewiesen.

Wieso haben Pferde einen solchen Einfluss auf unsere ganzheitliche Gesundheit?

Zum einen – und das ist für viele der wichtigste Beweis – liegen mittlerweile unzählige Studien aus dem Bereich des therapeutischen Reitens vor, die belegen, das Pferde und der Umgang mit ihnen eine heilende und vorallem nachhaltige Wirkung haben.

Andererseits muss nicht alles kausal erklärt werden müssen. Der Organismus, Krankheiten, das Leben, werden in Einzelteile zerlegt, die zusammen das Ganze ergeben. Dieses Denken glaubt lediglich an die Objektivität von Dingen. Mit Prüfsiegeln wie „wissenschaftlich geprüft“ und „wissenschaftlich erwiesen“ wird geworben. Ein Doppelblindversuch zählt mehr, als die eigene Beobachtung. Damit wird lediglich Objektivität behauptet und sich abgegrenzt von jeder Erfahrung, die der eigenen Beobachtung entspringt.

Bekannte Sprüche wie, „Der Glaube versetzt Berge“, „Die Welt entspricht unseren Gedanken“, „In der Ruhe liegt die Kraft“, sind heutzutage bewiesen – ja, wissenschaftlich.

Der Schlüssel zur Heilung liegt in höheren Dimensionen. Nicht der Magen-Darm-Bereich ist immer die Ursache für Bauchschmerzen. Und die Einnahme von Aspirin bei Kopfschmerzen besagt in keinem Fall, dass sich im Gehirn ein Aspirinmangel nachweisen lässt, den es aufzufüllen gilt. Hat die Schulmedizin einen Placebo-Effekt nachgewiesen, fühlt sie sich als Sieger eines Streits, den es gar nicht gibt oder je gab. Placebo ist einfach ausgedrückt: Heilen mit Glauben und Vertrauen. Aber diese Art der Heilung ist völlig Nebenwirkungsfrei und damit doch der Königsweg der Heilung.

Wenn eine Heilmethode wirkt, dann bitte, lassen Sie sie wirken und suchen Sie nicht nach Erklärungen. Der Beweis ist die Verbesserung Ihres, oder der Gesundheitszustand eines Ihrer Nahestehenden.